Archiv für April 2010

Utopia Now 2010!

Das Jahr 2010 wurde noch vor 30 Jahren in unzähligen utopischen Romanen, Comic und Filmen schillernd oder grau ausgemalt. Im Osten dominierten Landwirtschaften in den Ozeanen, Weltraumreisen, fliegende Autos – eine Welt ohne Hunger und Kriege. In den westlichen Science Fiction-Werken ging es oft um die Welt nach einem Atomschlag, Angriffe der Aliens oder Kriege im Weltall.
Zwei Dekaden nach dem Ende des realexistierenden Sozialismus in Osteuropa befinden wir uns weiterhin in einer globalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Auswirkungen tröpfeln langsam in jeden Haushalt. Ist der Kapitalismus in der Krise oder ist es eine Krise im Kapitalismus? Was kommt nach der Krise? Gibt es Ansätze, die uns hoffen lassen? Neue Zeiten für Utopien?
Vor 20 Jahren bestand keine Chance um nach dem Zusammenbruch der DDR neue Gesellschaftsmodelle auszuprobieren. Nur Ansätze, wie etwa der Entwurf einer neuen Verfassung, wurden zumindest diskutiert. Aber auch ihr Anliegen blieb uneingelöst. Das kurze Jahr des Aufbruchs brachte erstaunliche Ideen hervor, die es wert sind neu bedacht zu werden.
Utopien müssen überregional, länderübergreifend diskutiert und umgesetzt werden. Dabei geht es nicht um esoterische Spinnereien oder abgeschottete Landkommunen. Mit Utopien meinen wir Zukunft. Eine Zukunft der Open Source, der Demokratie der Multitude, von neuen Netzwerken. Eine lebenswerte, demokratische, gerechte Zukunft.

Neben der allgemeinen Diskussion über die Notwendigkeit von Utopien oder dem Zweifel daran, werden am Beispiel der Stadt Erfurt Entwicklungen thematisiert, die in dieser oder ähnlicher Form in allen mittelgroßen Städten anzutreffen sind: das Abwandern eines großen Teils der kreativen Jugendlichen, unter den realen oder vermeintlichen Sparzwängen – eine weitere Ausdünnung alternativer Projekte, ein teilweise völlig überzogenes Sicherheitsverständnis, die Vertreibung von missliebigen Personen aus den Innenstädten und deren Zurichtung als Touristen- und Shoppingcenter usw. Deshalb ist es wichtig, die Verfasstheit der Diskurse auf das vermeintlich „Machbare“ aufzubrechen, den Handlungsbedarf für Akteure in der Stadt als umkämpften Raum hervorzuheben und somit Kontrapunkte zur heutigen Stadtentwicklungen zu setzen.
Es wird Vorträge und Workshops geben zu den Themen: Rolle von Utopien in der Geschichte, Luxus für Alle, right to the city, Urban Gardening, Kunst und Utopie; eine Zukunftswerkstatt – Stadt als öffentlicher Raum / Wem gehört die Stadt?
Vor, während und nach der Konferenz sollen vielfältige Aktionen stattfinden.
Optimal wäre ab Mitte Mai eine spürbare Belebung in Erfurts Stadtraum mit dem was bisher fehlte. Alle Ideen sollten in diesen Wochen geballt verwirklicht werden – als Test. Dann wird sich zeigen was nie mehr verschwinden darf.
Dabei kann das gleiche ganz anders aussehen, wie zum Beispiel ein Tauschladen. Was kann getauscht werden? Da fällt einem zuerst wohl ein: Anziehsachen, Bücher, Hausrat. Aber es könnten ja auch Ideen getauscht werden, oder wie Ende der 80er Jahre in der Leipziger Galerie Eigen+Art. Dort schlossen sich die Mitglieder der Künstlergruppe „Autoperforationsartisten“ ein, schliefen dort und produzierten Kunst. Einmal am Tag für eine Stunde wurde die Galerie geöffnet und Besucher brachten Essen und Getränke mit und tauschten sie gegen Kunst ein.
Oder es entstehen neue Initiativen zur Rückgewinnung der Stadt als öffentlicher, auch politischer Raum. Das Ziel ist die Beteiligung vieler Menschen am Prozess der Gestaltung ihrer Stadt – politisch, ökologisch, künstlerisch…

Organisiert von der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Erfurt, der Offenen Arbeit, dem Bildungskollektiv (Biko) – mit Unterstützung der Universität Erfurt, Fachbereich Kunst, hEFt, Radio F.R.E.I., Klub 500, Jugendbüro RedRoXX, Lagune.